Sachen aus einer anderen Welt

„Was ist das?“

„Tadelakt.“

„Hhmm?“

„Ein Material aus einer anderen Welt.“

„Von Alpha Centauri?“

„Haha. Nee, von Betei Geuze.“

„OK, Ok. Beruhig Dich! Sag schon.“

„Aus Marokko.“

„Marokko ist für dich ’ne andere Welt?“

„War. Es war einmal …“

„Ach. Und, du hast dein, wie heißt das … ?“

„Tadelakt.“

„ … Tadelakt mit einer Zeitmaschine rangeschafft?“

„Willstes wissen oder nicht?“ Weiterlesen

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Effektivität, Kinderpsychotherapie und Eichhörnchen im Zenwald

Oder: Intentionale Gemeinschaften als heilsame Alternative zur hocharbeitsteiligen Industriegesellschaft?

 

Neulich im Seminarhaus: Es tauchte die Frage auf, wie sich die Arbeit im Betrieb effektiver gestalten ließe. Gerade hatten sich dreißig Miglieder des Berufsverbands akademischer Psychotherapeuten darüber beklagt, daß aus dem Beamer kein Ton kommen würde und ich hatte improvisieren müssen und ihnen eine kleine Boombox aufgestellt. – Allerdings hatte ich auch ein paar Verblüffungssekunden gebraucht, um auf die Reihe zu kriegen, daß ein ganzer Haufen von akademischen Therapeuten, die fasziniert einer genialen (genial in dem Sinne, daß sie neue Zugänge zu Patienten findet, und daraus erstaunlich wirksame Therapieansätze entwickelt) Kinderpsychotherapeutin lauschen und zusehen, überrascht sind, daß aus einem Beamer, den sie für eine Powerpoint benutzt hatten, beim Abspielen einer DVD kein Ton kommt. Meine Güte, denke ich, würde ich mich etwa darüber beklagen, daß ein Spastiker und Autist mir keine Geschichten erzählt?

Diese kleine Begebenheit aus dem Seminarbetriebsalltag fällt mir wieder ein, nachdem ich, am nächsten Morgen, viertel nach Sechs, auf dem Weg zur Zendo beinahe auf ein Kaninchen gepinkelt habe das dann, noch etwas schlaftrunken davonhoppelt. Später springt mir das Eichhörnchen über den Weg und spiralt dann einen Lärchenstamm hinauf. Oben turnt es durch das helle, in der Morgensonne wie eine leuchtendhellgrüne Gardine wirkende Geäst, in ein paar Sekunden durch den ganzen Streifen Lärchenwald, mit der Geschwindigkeit eines Olympiasprinters aber mit unvergleichlich mehr Eleganz und Leichtigkeit und in sieben Meter Höhe. Über die Pferdeweide streift im Tiefflug das ansässige Habichtpaar. Es scheint kaum möglich, von solchen Eindrücken, jenseits von Romantisierung (die Fauna ist nicht immer niedlich, auch mit Zecken und Hornissen und mit Else und Berta, ihres Zeichens hochintelligente Ratten, haben wir es hier zu tun) und Naturfreunde-Idealismus, irgendwie daran erinnert zu werden, daß wir diesen Planeten noch mit ein paar anderen Spezies teilen. Schon ein paar hundert Meter außerhalb der Vorortsiedlungen läßt sich das nicht mehr übersehen. Aber welche Rolle spielt diese Tatsache im Leben des durchschnittlichen Teilnehmers an der westlichen hocharbeitsteiligen Industriegesellschaft? Weiterlesen

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Holzhacken und Wasser tragen – X-Akten aus dem Zen-Wald

Ist nun das große Mysterium ganz gewöhnlich oder ist das ganz Gewöhnliche ein großes Mysterium?

In der Zen-Literatur – heutzutage auch in den diversen email-Foren und Chats – wird häufig das ‚Holzhacken und Wasser tragen‘ bemüht. (*) Im letzten Sommer hatte Malook hier im Gelände während eines Zen-Studientages eine Installation zum Thema „Zen im Alltag“ aufgebaut, die unter anderem aus einem Totenschädel bestand, der, mittels integriertem mp3-Player, unaufhörlich den Satz wiederholte: „Übernatürliche Kraft, wundersame Aktivität – Wasser holen, Holz hacken.“ Weiterlesen

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Peak_Oil und ein Haus aus Stroh

Gestern hatten wir einen Tag der offenen Tür. Leute, so an die fünfzig, kamen, um sich das Projekt und das Strohballen-Lehm-Haus anzusehen. Die ersten drei Standardfragen, angesichts eines Hauses aus Stroh: Brennt das? (Kann man das versichern?) Was macht ihr gegen Mäuse? Was kostet das?
Also Fragen, die aus dem Bedürfnis nach Sicherheit und Machbarkeit und Verläßlichkeit heraus gestellt werden.
Wenn ich dann aber davon erzähle, daß der politische Hintergrund (man könnte auch sagen: der Hintergrund einer globalen Heilsamkeit, – aber es sind ja nicht alle Besucher Buddhisten) schon so weit geht, zu fragen, könnten wir – gut – leben, ohne von den Ölreserven des nahen Ostens und den Gaslieferungen der Gazprom abhängig zu sein, ist Schweigen im Walde. Woran liegt das? Traut „man“ sich nicht, das eigene Bedürfnis nach Sicherheit über die Angst vor Mäusen und die Versicherungsbedingungen der üblichen Brandkassen hinaus in Richtung nach Möglichkeiten zu Versorungsstrategien, die keine politischen Komplikationen und Umweltproblematiken nach sich ziehen, zu stellen? Fühlt „man“ sich nicht zuständig? Oder traut man sich nicht, diese Fragen zu stellen, weil man befürchtet, es könne sowieso keine machbaren Lösungen geben?

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