Was ist mein/unser Antrieb, unsere treibende Energie und Vision?

Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten um uns selbst zu verbessern – und den Rest der Menschheit.
Der Captain der Enterprise, Jean-Luc Picard, aus dem 24. Jhdt., zu Lily Sloane, aus unserem Jahrhundert. In: Star Trek. First Contact (1996)

Und was ist meine treibende Kraft in meinem Leben und woher beziehe ich meine Energie? – Gute Frage. Kann ich auch beantworten: zu 78% aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, zu ca. 2,5% aus AKWs, zu ca. 10% aus Holz-Verbrennung und die restlichen 10% aus Biogas, Wasserkraft, Windkraft (0.39%) und Solar PV (0.077%). Das sind zumindest die offiziellen Zahlen der globalen Erzeugung von 2013. Und da ich am globalen Markt der vollindustrialisierten Welt teilnehme und davon direkt und indirekt profitiere, sind das – letztendlich – auch «meine» Energiequellen, ob ich will oder nicht.
Will ich, dass das anders aussähe, zum Beispiel ALLES regenerativ? Ja klar. Und wie würde die Erde aussehen, wenn wir unseren momentanen Bedarf ausschließlich regenerativ decken würden? So: Eine vollständig „regenerativ“ betriebene nordeuropäische Welt wäre eine flächendeckende Energie-Erzeugungs, -umwandlungs, -verteilungs und -speicherungsanlage. Eine Anlage, die ganz Nordeuropa mit dem jetzigen Bedarf „lokal“ versorgen könnte, wäre insgesamt ungefähr so groß wie Nordeuropa. Es gäbe noch eine bisschen Platz zwischen den Kollektor- und Windanlagen, den Power-to-Gas Wandlern, den Energiepflanzenfeldern, den Kompressoren für Windgas-Kavernenspeichern und anderen Speicher-Anlagen und den Leitungstrassen, den Recyclingprozess-Anlagen, usw., man könnte da noch leben, die Frage ist nur: wer wollte das?  –   „Not in my backyard!“

Wie z.B. England und Wales aussehen würden, wenn dort alle Energie ohne fossile Quellen erzeugt werden würde

Erklärung: 
 
The grey-green squares are windfarms.
  Each is 100 km2 in size and isshown to scale.
The red lines in the sea are wavefarms, shown to scale.
Light-blue lightning-shapedpolygons:
  solar photovoltaic farms –20 km2 each, shown to scale.
Blue sharp-cornered polygons in thesea: tide farms.
Blue blobs in the sea (Blackpool andthe Wash):
  tidal lagoons.Light-green land areas
woods and short-rotation coppices (to scale)
Yellow-green areas: biofuel (to scale).
Small blue triangles: waste incineration plants (not to scale).
Big brown diamonds: clean coalpower stations, with cofiring of biomass,
and carbon capture andstorage (not to scale).
Purple dots: nuclear power stations (not to scale) 
– 3.3GW average production at each of 12 sites.
Yellow hexagons across the channel
  concentrating solar power facilities
in remote deserts (to scale, 335 km² each).
The pink wiggly line in France represents new HVDC lines, 2000 km long,
conveying 40GW from remotedeserts to the UK.
Yellow stars in Scotland: new pumped storage facilities.
Red stars: existing pumped storage facilities.
Blue dots: solar panels for hot water on all roofs.

Aus: David MacKay. Sustainable Energy - without the hot air.

Bei weiter steigendem „Bedarf“ an Konsumtempo, Wohnfläche pro Kopf, physischer und virtueller Mobilität (alle diese Dinge steigen seit Jahrzehnten ungebremst) wird aber der vorhandene Raum auf Dauer auch nicht ausreichen.
Visionen haben in der Vergangenheit immer – IMMER – (an Gegenbeispielen wäre ich sehr interessiert!) zu Produktions- und Konsumsteigerungen geführt und damit zu einem Anstieg des Energiebedarfs. Eine wirklich revolutionäre Vision in diesem Sinne wäre die Vision – nicht bloß der fromme Wunsch, sondern ein in der Realität manifestierbares Modell – einer wirklichen Entkopplung zwischen Lebensqualitätsanstieg und Energiebedarfssteigerung. Denn innere Antriebe lassen sich in einer vollindustrialisierten Welt – bisher jedenfalls – nicht von äußeren Antrieben und den dafür verwendeten Energie-Ressourcen trennen.
„Was treibt mich an und woher beziehe ich meine Energie?“ – Die Frage müsste also präzisiert lauten: Wie entkopple ich Lebensqualität von Energiebedarf. Nicht die Frage nach der Energie ist die entscheidende Frage, sondern die Frage, wie ich OHNE immer noch mehr Energie erfüllt und zufrieden leben kann. Eine Frage, auf die ich nach dreißig Jahren Suche noch keine brauchbare Antwort gefunden habe. Aber die Frage ist auch, zugegebenermaßen so schwierig, im Sinne von schwerwiegend, dass dreißig Jahre keine lange Zeit sind.
Und wer jetzt sagt: Aber es geht doch um INNERE Energie! – der hat natürlich recht; nur: Bisher – bisher – waren die realen Folgen der «Visionen» immer verkoppelt mit «Besser, Schöner, Weiter, Höher, Komfortabler, usw.» … – und diese Steigerungsdynamiken sind immer – wann nicht? – mit erhöhten Energieaufwendungen verbunden. Regenerative Energie ist schön und gut, aber eine andauernde Steigerung der Produktion und der Konsumtion wird es auch mit der schönsten regenerativen Energie nicht mehr geben können. Wir stehen also vor einer interessanten Herausforderung: uns selbst verbessern – und die Menschheit (für die Idealisten unter uns) – OHNE, wie jetzt immer noch, immer mehr Energie und Ressourcen zu verbrauchen und immer mehr Abfälle zu produzieren.
Ansätze dazu gibt es, versteckt und unpopulär, aber diese Ansätze sind noch nicht, wie die Solarkollektoren auf den Dächern und die krankenkassenbezuschusste Zen-Meditation, im Mainstream angekommen.

Captain Picard würde, nachdem er sich angehört hat, was seine Crew zu sagen hat, wohl entscheiden: „Make it so!“. Aber was sagen wir ihm, als Crew-Mitglieder? Denn: «There are no passengers on Spaceship Earth. We are all crew.»(1)

 

 (1)Marshall McLuhan, 1965, mit Bezug auf:
    Buckminster Fullers 'Operating Manual for Spaceship Earth' (1963)
Literatur: 
David MacKay. 'Nachhaltige Energiegewinnung - ohne die heiße Luft'
(Orig.: Sustainable Energy - without the hot air. UIT 2008)
Das ganze Buch zum Download: 
https://www.withouthotair.com/translations.html

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