Ein modernes Mondo ? Grof und Harner im Gespräch

Zwei alte Herren des New Age prüfen sich gegenseitig.

Stan Grof spricht über den ‚Inner Healer‘, den ‚Inneren Heiler‘, der im Gegensatz zu den Psychotherapeuten, die immer vor der Qual der Wahl der Methoden und Schulmeinungen stehen, einfach ‚den Prozess unterstützt‘.
Harner darauf: „Well, you know, one of the nice things about Shamanism is: If you do die, you don’t have to blame yourself. But if you’re a ‚Inner Healer‘ and you die, then you fail … – What does that say about the ‚Inner-Healing-Modell‘, if everybody fails. In the end. – I’m just asking …“
Grof: „Well, if you consider it a failure …“
Harner (lacht): „Thats a perfect answer! Very good!“
Grof: „And if you were a Tibetan, that’s your big opportunity, not just for healing, but for stepping out of the cycle of death-rebirth alltogether.“
Harner: „That’s a magnificent answer, but then the question is, why bother to heal at all?“
Grof schweigt.
Pause.
Grof beginnt ein neues Thema, erzählt von Menschen, die die Erfahrung haben, zum ‚Kreativen Prinzip‘, dem Brahman oder Tao, oder wie immer man es nennen will, zurückzukehren, – in der inneren Erfahrung. „Und wir sehen es,“ sagt Grof, „als das letztendliche Ziel des spirituellen Weges („spiritual journey“) an, dorthin zurück zu gehen und damit, mit dem ‚creative principle‘ mit dem Göttlichen, zu verschmelzen.“ Aber wenn man dort hin käme, wenn man diese Erfahrung hätte, meint Grof, würde man auf ein Problem stoßen, denn dann würde die Frage auftauchen, – dort, in dem undifferenzierten vollständigen Zustand, in dem alles nur großartig und EINS ist – warum denn das ‚Kreative Prinzip‘ nicht einfach nur in diesem Zustand verharren würde, … – und warum sollte denn dann auch überhaupt so etwas wie Schöpfung, so etwas wie Ausdifferenzierung und Vielfalt jemals geschehen?
Harner: „Well, I know … du warst dort, und ich war auch dort, und es ist schrecklich nett dort, und wenn ich dort bin, dann ist es mir scheißegal, was passiert …“
Grof: „Dann wird die Schöpfung ein großes Abenteuer im Geist …“
Harner: „Ist mir doch egal, ob da ’ne Schöpfung ist oder nicht! Interessiert dich denn das? – Wenn du dort bist?“
Grof: „Well … – ahem …, ich denke, da ist so ein Empfinden (a sense), daß etwas Komplementäres da sein sollte. Wie in der Kabala, wo es heißt, daß Gott die Welt aus übergroßer Langeweile heraus erschuf, … daß da so eine enorme Monotonie in dem undiffernzierten ursprünglichen Prinzip herrschte, … – und die Hindus sprechen von ‚Lila‘ dem kosmischen Spiel, dem göttlichen Theater, …“
Harner: „Ich habe noch einen Vorschlag, – das ist natürlich auch wunderbar, was du da sagst … – aber,“ er nuschelt, „wenn dann etwas auftaucht, sei es ein Tier, oder eine Gottheit, oder ein unpersönliches ursprüngliches Prinzip, oder was immer … – und du kannst Erfahrungen haben, daß du stirbst, und dir wird gesagt, daß du zurückkommen mußt, um deine Arbeit zu tun, … – und was du getan hast, … du bist mit dieser ungeheuren Kraft (tremendous power) verschmolzen, und du kannst sie zurückbringen, um das Leiden der Wesen um dich herum zu erleichtern (alleviate), … menschliches Leiden zu verringern.“ Er ringt sichtbar um Worte. „Und du bringst dieses Mitgefühl zurück, dem du begegnet bist, … Es scheint mir, daß das keine Sackgasse ist, wenn du – vielleicht – stirbst, … Für den Schamanen ist es eine Lehr-Erfahrung (teaching-experience), dieser Kraft begegnet zu sein, und sie zurückzubringen, um sie hier anzuwenden. – Bringt das, was ich sage, etwas in Resonanz in dir, mit deiner Erfahrung?“
Grof: „Ja, sehr viel.“ Und er erläutert die Differenz zwischen der Tendenz im Hinayana-Buddhismus, – oder jedenfalls unserem Verständnis davon -, das Nirvana, als einem Verlöschen, und einer Befreiung, zu erreichen, und dem Bodhisattvaideal im Mahayana, wo es um die Rückkehr in die Welt und die Wirkung in dieser Welt und die Hilfe für andere gehe.
Harner geht auf diesen Wechsel zur reflektiven Ebene ein, und gibt zu Bedenken, daß der tibetische Mahayana-Buddhismus schon ein Amalgam mit der schamanischen Bön-Tradition sei. Grof stimmt ein und erzählt von Klienten, die in einer Sitzung mit Holotropen Atmen wiederholt traditonielle schamanische Erlebnisse hatten, und dann auch entsprechende Synchronizitäten in ihrem „normalen“ Leben erfuhren.
Die Frage, ob Gott nun tatsächlich unter gräßlicher Langeweile litt, bleibt für heute ungeklärt …

(Hier wiedergegeben nach: Stan Grof & Michael Harner in Dialogue presented by The Foundation for Shamanic Studies)

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