Wen wollen wir eigentlich beeindrucken?

„People buy things they don’t need,
with money they don’t have,
to impress people they don’t like“
Clive Hamilton

Wir kaufen Sachen, um Leuten zu imponieren, die wir gar nicht besonders leiden können. Warum tun wir das und ist das wirklich so? Andere beeindrucken können hat tatsächlich einen evolutionären Vorteil. Verhaltensforscher beobachteten zum Beispiel einen halbstarken Schimpansen im Urwald, der einen leeren Benzinkanister gefunden hatte und gelernt, eindrucksvoll darauf herumzutrommeln. Kurz darauf hatte er so viel Aufmerksamkeit vom amtierenden Graurücken abgezogen, dass der an stressbedingtem Herzanfall starb und der Halbstarke zum Alpha-Männchen seines Clans aufsteigen und entsprechend Nachwuchs zeugen konnte. Trommeln gehört anscheinend nicht nur zum Handwerk sondern wird auch von der Evolution belohnt. Weiterlesen

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Zen-Training und „psychologische Barrieren“

„Sich etwas zu versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens;
es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge,
während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.“
Carlos Castaneda

Während seines ersten Jahres im Daitokuji überlegte sich Gary Snyder eine Reihe von Verbesserungen, die er für die Effizienssteigerung und die Beschleunigung des Arbeitsablaufes des Klosters in Küche und Garten für angebracht hielt. Schließlich sprach er mit dem Jikkijitsu, also dem verantwortlichen Mönch, über seine Vorschläge. Er wurde zunächst auch angehört und die Reihe seiner Vorschläge wurde höflich zur Kenntnis genommen. Aber dann nahm ihn einer der Senior-Mönche beiseite und klärte ihn schließlich auf: Wir wollen die Dinge hier, so erklärte er dem begriffsstutzigen und allzu eifrigen Westler, gar nicht schneller oder besser machen, weil es darum gar nicht geht. Es geht nicht um Effektivität. Es geht darum, daß du dein Leben vollständig lebst ( … live the whole live).

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Die Firewall und das Nichtwissen

 
Wenn wir uns auf die Suche nach … – was auch immer – machen, dann setzen wir voraus, dass da, im »Inneren« oder in irgendeiner Form von »Jenseits«, etwas verborgen ist, was es dann eben von uns zu suchen bzw. zu erlangen gilt. Warum können wir aber nicht sehen, bzw. nicht sagen, was jenseits des Diesseits ist? Immerhin sprechen wir in den Traditionen, die dem Advaita-Vedante nahe stehen, von der zugrundeliegenden »Einheit« oder mindestens der »Nicht-Zweiheit«. Warum gibt es – innerhalb der »Nicht-Zweiheit« – überhaupt so etwas wie einen Horizont im mentalen, spirituellen Bereich? Warum gibt es die Schranke zwischen Alltagswelt und -mentalität und der »inneren« Welt und demjenigen, was in der »Suche« gesucht wird?

Wie lässt sich diese Firewall1 erklären?

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Spurlosigkeit und die Wertschätzung des Natürlichen

Aus Sôekis Anleitung für den Gastgeber der Teezeremonie:

„Bei Einladungen an Schneetagen sollte man sorgsam versuchen, Fußspuren im Schnee so weit wie möglich zu vermeiden. Man schmilzt mit Wasser vorsichtig nur den Schnee von den Trittsteinen ab. Es geht nicht an, das Wasserbecken (Tsukubai) nicht frisch zu füllen, aber lass es gerade eben sichtbar werden, indem du es mit Wasser vorsichtig frei legst. Aber wenn der Schneefall auf dem Steinbecken oder den Bäumen darüber ein anrührendes Bild geformt hat, sollte man alles völlig unverändert lassen. Stattdessen stellt man für die Reinigung eine Wasserkanne (kataguchi) zur Wartebank.“

Die unberührte Natur, in diesem Beispiel der frisch gefallene Schnee, ist der japanischen Ästhetik das höchste der Gefühle, das wahre, unübertreffbare Kunstwerk. Wenn das so ist, warum sind dann aber die Bauern und die Holzfäller, die Winters dauernd mit frisch gefallenem Schnee zu tun haben, nicht allesamt Kunstliebhaber?

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»Zen im Alltag«, Spurlosigkeit und Captain Kirks Langeweile

Eine der Methodiken im Zen-Training, die uns zu mehr Selbstgewahrsein und Selbsterkenntnis im Alltagsleben führen soll, ist die Praxis der sogenannten Spurlosigkeit. Dazu gehört, dass nach dem Essen, traditionell mit Schalen und Stäbchen, das eigene »Geschirr« noch am Tisch, als Teil einer vollständigen Mahlzeit, von jedem selbst gereinigt und zu einem hübschen Päckchen gebündelt wird. Es befindet sich dann wieder genau in demselben Zustand wie zu Beginn der Mahlzeit. Weiterlesen

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Wachheit, Erwachen und Erleuchtung

»Was uns nottut, ist, zu erkennen,
dass diese Welt ganz anders ist als
unsere üblichen Annahmen über sie und uns ist.«
David Loy

Im Buddhismus – speziell im Zen – sprechen wir eher von „Erwachen“ als von „Erleuchtung“. »Erleuchtung« als Lichtmetapher ist eher mit der mystisch-spirituellen Tradition des Westens verbunden. Im Taoismus, im alten Hinduismus und in vielen schamanischen Traditionen wird eher dem Dunklen und Verborgenen eine heilsame Qualität und die Nähe zum Ursprünglichen zugeordnet als dem allzu Lichten. Weiterlesen

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Denkfehler und Lernerfolge – Kategorienfehler, Ideologie und Instrumentalisierung

Mit Denkfehlern kann man Gemeinschaften sprengen und die grausamsten Kriege zu einem spirituellen Akt erklären. Wenn wir unsere Kategorien, in denen wir denken und argumentieren, nicht auf die Reihe bekommen und zum Beispiel von einer Mannschaft genauso sprechen wie von einem Spieler oder von einem »Team« genauso, wie von einem einzelnen Team-Mitglied, dann folgen daraus die klassischen Konsequenzen eines Kategorienfehlers. In einer Gemeinschaft wird dann etwa gesagt: »Das ist Aufgabe des Teams«. Und dann wundert man sich, dass sich niemand um die Erledigung der Aufgabe kümmert. Weiterlesen

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Die Frage nach dem Wesen – Ghost in the Shell

Neu in den Kinos ist eine Realverfilmung des zur Ikone gewordenen Mangas ‚Ghost in the Shell‘ von Shirō Masamune (1989). Dessen Umsetzung als Anime (Zeichentrick-Film) von Mamoru Oshii verschaffte der Manga- und Anime-Szene 1995 internationales Ansehen. Seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, wurde das Manga zur Inspiration auch für westliche Filmemacher wie etwa die Wachowski-Geschwister, die viele Elemente aus Ghost in the Shell in ihre Matrix-Trilogie übernahmen. Weiterlesen

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In Memoriam Leonard Cohen

Im November letzten Jahres starb Leonard Cohen. Kurz nachdem sein letztes Album You Want It Darker erschienen war.

Von den Konzerten, die er nach seinem Zenkloster- und Indien-Aufenthalt gab, wird gelegentlich gesagt, dass sie nicht nur die ganz »Cohen-spezifische« musikalische und poetische Qualität ausstrahlten sondern darüber hinaus eine Art religiöser Atmosphäre evozierten. Im ausverkauften Ramat Gan Stadium in Tel Aviv segnete er die Konzertgäste mit den Worten und der Haltung eines Priesters in der Synagoge. Kunst und unmittelbarer Gottesdienst waren – was nur in den seltensten Fällen gut geht – in seinen letzten Jahren wirklich eins geworden. Und auch er selber schien in diesen letzen Jahren seines Lebens mit sich eins zu sein. Das war nicht immer so. Weiterlesen

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Der gelungene Alltag als gesundes Ideal?

Wenn wir heute noch Ideale haben oder eine spirituelle Praxis pflegen, dann sollen diese Dinge mindestens mit dem Alltag kompatibel sein. Aussteigen war gestern und die Bewältigung des Alltäglichen ist anspruchsvoll genug, da soll die spirituelle Praxis, wenn wir schon eine halbe Stunde pro Tag dafür von unserem knappen Zeitkonto abzwacken, wenigstens etwas Unterstützung bringen …
Vor einigen Jahren schaute sich ein junger Akademiker in einer der ältesten intentionalen Gemeinschaften Deutschlands um und bewertete deren ökologischen Standard, was die Bausubstanz betraf, als minderwertig. Er hatte nicht ganz unrecht.

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