Meditation – und Instrumentalisierung als Default-Einstellung

Wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass es uns hilft, gut durch den Tag zu kommen, wenn wir morgens eine halbe Stunde meditieren und uns deswegen diese – selbstverständlich sehr empfehlenswerte – Praxis mit einer gewissen Disziplin zu eigen machen und davon profitieren, dann tun wir das, wie alles, was wir tun, mittels und innerhalb unserer jeweils zugrundeliegenden Grundeinstellungen. Kann aber Meditation – z.B. gegenstandslose Meditation – uns auch darüber hinaus in eine wirkliche radikale Offenheit bringen? Vorausgesetzt, wir wünschen uns das …? Weiterlesen

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Langes Sitzen bei Sokrates

Gelegentlich gebe ich, nur so zum Spaß, bei amazon.de in das Suchfeld die beiden Begriffe «Glück» und «Buddhismus» ein. Die Menge der Buch-Vorschläge, die man dann angeboten bekommt, steigt ständig, momentan liegt sie allein bei den deutschen Titeln bei 1236 Büchern und auf englisch, bei amazon.com, sind’s 2136. (Man fragt sich jetzt, ob die Amerikaner besser sind im Glücklichmachen, weil sie mehr Bücher darüber schreiben, oder ob sie mehr Rat in Buchform nötig haben …) Weiterlesen

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25 Ways to Make Love to the Earth

Die «25 Ways to Make Love to the Earth» von Elizabeth Stephens und Annie Sprinkle beruhen auf einer Misskonzeption … – eine vielsagende Misskonzeption. Der letzte Satz «… until death brings you closer together» zum Beispiel geht wie selbstverständlich davon aus, dass wir, solange wir Leben, eine Distanz zur Erde haben könnten oder gar getrennt von ihr existieren würden, … Weiterlesen

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Zen-Buddhismus ohne Buddhismus?

Wir kennen Kaffee ohne Koffein, Würstchen ohne Fett, Bier ohne Alkohol und Kuchen ohne Zucker. Diese Dinge-ohne werden immer beliebter und sie gelten ganz allgemein als gesünder als die Dinge-mit. Auch mentale Techniken aus dem Hinduismus, dem Taoismus und dem Buddhismus werden heute gerne ohne den -ismus angeboten. Also zum Kaffee ohne Koffein das Zen ohne Buddhismus. Ist aber Zen ohne Buddhismus auch gesünder als mit?
Die Frage ist, ob wir das «ohne …» verstehen. Vollständig. Dazu eine Geschichte aus dem Film Ninotschka von Ernst Lubitsch (1939): Ein Mann kommt in ein Restaurant verlangt vom Kellner einen Kaffee ohne Sahne. Fünf Minuten später kommt der Kellner zurück und sagt, wir haben keine Sahne mehr, wir haben nur noch Milch. Darf ich den Kaffee auch ohne Milch bringen? Weiterlesen

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Vollständigkeit – statt «Glück» und «Effizienz». Nietzsche und Rinzai.

Als Gary Snyder, 1956 von Ruth Fuller Sasaki eingeladen, im Daitoku-ji in Kyoto praktizierte, schaute er sich den Betrieb einige Wochen an und als er alles inspiziert hatte, ging er mit einer Liste von Verbesserungsvorschlägen, was den Ablauf und die Organisation des Klosteralltags anging, zum Jikkijitsu. Der leitende Mönch hörte sich all die vernünftigen und auf Effiziens zielenden Vorschläge sehr höflich an, sagte aber nichts dazu. Dabei blieb es. Als Snyder einige Zeit später bei einem der Senior-Mönche nachfragte, was denn nun mit seinen Optimierungsvorschlägen wäre, nahm der alte Mönch den jungen eifrigen Amerikaner beiseite und erklärte es ihm.

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Was der Specht sagt

Der Specht klappte den Schnabel auf und zu. Ich stellte die Säge ab und nahm die Ohrenschützer vom Kopf. «’Tschuldigung, was haste gesagt?»
«Wieder nicht richtig zugehört, hm?» Mit einem Auge schielte der Specht in Richtung losem Borkenstück, ob sich da vielleicht was regen würde, mit dem anderen, sehr kritisch, zu mir. »Ich finde das nicht in Ordnung, hab‘ ich gesagt.»
«Äh, tja, sorry, aber … – kannste noch mal …»
«OK, wenn’s sein muss, gaaanz langsam, für tumbe ungefiederte Ohren:
I c h   f i n d e   d a s   n i c h t   i n   O r d n u n g.»
«Äh, ja, soweit hatte ich das schon …»
«Aha. Soweit hattest du schon. Und wieweit noch nicht? Weiterlesen

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Wen wollen wir eigentlich beeindrucken?

„People buy things they don’t need,
with money they don’t have,
to impress people they don’t like“
Clive Hamilton

Wir kaufen Sachen, um Leuten zu imponieren, die wir gar nicht besonders leiden können. Warum tun wir das und ist das wirklich so? Andere beeindrucken können hat tatsächlich einen evolutionären Vorteil. Verhaltensforscher beobachteten zum Beispiel einen halbstarken Schimpansen im Urwald, der einen leeren Benzinkanister gefunden hatte und gelernt, eindrucksvoll darauf herumzutrommeln. Kurz darauf hatte er so viel Aufmerksamkeit vom amtierenden Graurücken abgezogen, dass der an stressbedingtem Herzanfall starb und der Halbstarke zum Alpha-Männchen seines Clans aufsteigen und entsprechend Nachwuchs zeugen konnte. Trommeln gehört anscheinend nicht nur zum Handwerk sondern wird auch von der Evolution belohnt. Weiterlesen

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Zen-Training und „psychologische Barrieren“

„Sich etwas zu versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens;
es zwingt uns zu glauben wir täten große Dinge,
während wir in Wirklichkeit auf uns selbst fixiert sind.“
Carlos Castaneda

Während seines ersten Jahres im Daitokuji überlegte sich Gary Snyder eine Reihe von Verbesserungen, die er für die Effizienssteigerung und die Beschleunigung des Arbeitsablaufes des Klosters in Küche und Garten für angebracht hielt. Schließlich sprach er mit dem Jikkijitsu, also dem verantwortlichen Mönch, über seine Vorschläge. Er wurde zunächst auch angehört und die Reihe seiner Vorschläge wurde höflich zur Kenntnis genommen. Aber dann nahm ihn einer der Senior-Mönche beiseite und klärte ihn schließlich auf: Wir wollen die Dinge hier, so erklärte er dem begriffsstutzigen und allzu eifrigen Westler, gar nicht schneller oder besser machen, weil es darum gar nicht geht. Es geht nicht um Effektivität. Es geht darum, daß du dein Leben vollständig lebst ( … live the whole live).

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Die Firewall und das Nichtwissen

 
Wenn wir uns auf die Suche nach … – was auch immer – machen, dann setzen wir voraus, dass da, im »Inneren« oder in irgendeiner Form von »Jenseits«, etwas verborgen ist, was es dann eben von uns zu suchen bzw. zu erlangen gilt. Warum können wir aber nicht sehen, bzw. nicht sagen, was jenseits des Diesseits ist? Immerhin sprechen wir in den Traditionen, die dem Advaita-Vedante nahe stehen, von der zugrundeliegenden »Einheit« oder mindestens der »Nicht-Zweiheit«. Warum gibt es – innerhalb der »Nicht-Zweiheit« – überhaupt so etwas wie einen Horizont im mentalen, spirituellen Bereich? Warum gibt es die Schranke zwischen Alltagswelt und -mentalität und der »inneren« Welt und demjenigen, was in der »Suche« gesucht wird?

Wie lässt sich diese Firewall1 erklären?

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Spurlosigkeit und die Wertschätzung des Natürlichen

Aus Sôekis Anleitung für den Gastgeber der Teezeremonie:

„Bei Einladungen an Schneetagen sollte man sorgsam versuchen, Fußspuren im Schnee so weit wie möglich zu vermeiden. Man schmilzt mit Wasser vorsichtig nur den Schnee von den Trittsteinen ab. Es geht nicht an, das Wasserbecken (Tsukubai) nicht frisch zu füllen, aber lass es gerade eben sichtbar werden, indem du es mit Wasser vorsichtig frei legst. Aber wenn der Schneefall auf dem Steinbecken oder den Bäumen darüber ein anrührendes Bild geformt hat, sollte man alles völlig unverändert lassen. Stattdessen stellt man für die Reinigung eine Wasserkanne (kataguchi) zur Wartebank.“

Die unberührte Natur, in diesem Beispiel der frisch gefallene Schnee, ist der japanischen Ästhetik das höchste der Gefühle, das wahre, unübertreffbare Kunstwerk. Wenn das so ist, warum sind dann aber die Bauern und die Holzfäller, die Winters dauernd mit frisch gefallenem Schnee zu tun haben, nicht allesamt Kunstliebhaber?

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